Auch in Zukunft werden keine Robo-Texter für uns schreiben

Neulich las ich einen Text zum Thema künstliche Intelligenz. Eigentlich hatte ich nach diesem Text nicht gesucht, er drängte sich mir aber gerade zu auf – nämlich als beworbener Beitrag auf Facebook. Das mag daran liegen, dass ich mich des Öfteren mit den Themen Digitalisierung, Industrie 4.0 und die Zukunft der Arbeit beschäftige. Da ist KI durchaus ein relevanter Aspekt. Nun ging es in diesem Text ganz konkret um meine eigene Arbeit. Hier hieß es, dass schon heute Textroboter mit künstlicher Intelligenz gut lesbare Produkttexte in großer Zahl und kürzester Zeit erzeugen könnten – voll automatisiert und mit nahezu garantierter Konversion. In Sachen Gebrauchstexte scheinen Roboter dem textenden Menschen deutlich überlegen zu sein.

Unsere Art zu arbeiten verändert sich

Nun soll dieser Text kein Lamento werden, ich will nicht darüber klagen, dass der technische Fortschritt unsere jetzige Art zu arbeiten verändern wird und dass zahlreiche Tätigkeiten, die heute noch von Menschen ausgeführt werden, in Zukunft von Maschinen, Algorithmen und Robotern übernommen werden. Vor dieser Entwicklung sollten wir keine Angst haben, sondern versuchen, sie bestmöglich zu unser aller Vorteil zu nutzen. Dazu sollte man durchaus den Gedanken zulassen, den Menschen die Arbeit zu erleichtern bzw. zu verringern, statt nur Effizienzsteigerung und Rationalisierung in den Fokus zu stellen.

„Wir treten ja in ein neues Technikzeitalter ein, wo Technik zunehmend automatisierte Lösungsansätze schafft – und das führt tatsächlich zu einer Art Tod der Vernunft. Wir haben diese paradoxe Situation, dass die Erkenntnismöglichkeiten und auch die Wissensquellen so umfangreich sind wie nie zuvor, dass aber andererseits das blanke Unwissen fast überall die Oberhand zu gewinnen droht.“

Philosoph und Historiker Achille Mbembe

Bereits 1995 schrieb der US-amerikanische Gesellschaftstheoretiker Jeremy Rifkin , dass wir „dank immer leistungsfähigerer Computerprogramme … schon bald in einer Welt ohne Arbeit leben.“ Damals war diese Hypothese noch sehr visionär, heute erscheint sie schon sehr viel realistischer. In seinem Buch Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft schreibt Rifkin: „Computer werden mittlerweile so programmiert, dass sie Muster erkennen, Hypothesen aufstellen, Reaktionen programmieren, Lösungen implementieren, ja selbst Kommunikation entziffern und komplexe Metaphern von einer Sprache in eine andere übersetzen können, und das in Echtzeit und mit der Akkuratesse professioneller Übersetzer.“ Nicht nur Arbeiter in Bereichen des produzierenden Gewerbes, nicht nur der Maschinenführer im Shop Floor scheint also von der Automatisierung betroffen, sondern auch Wissensarbeiter – wie Texter es sind.

Können Maschinen Empathie oder Ironie?

Es scheint also, als könnten Maschinen in Zukunft nahezu alle Arbeiten verrichten, für die heute noch Menschen benötigt werden. Das ist zwar vorstellbar, aber ist es auch wirklich wünschenswert? Ist es für die 90-jährige Rentnerin, die alleine lebt, angenehm, von einem Pflegeroboter ins Bett gehoben zu werden? Ich kann mir kaum vorstellen, wie C3PO tröstende Worte für die Frau findet, ihr die Hand streichelt und vielleicht einen Witz erzählt, um sie aufzuheitern. Ich glaube, überall dort, wo es „menschelt“, werden auch in Zukunft noch Menschen arbeiten – zumindest wenn Qualität geboten werden soll. Das sehe ich auch im Marketing. Warum brauchen wir heute etwa Influencer, um Produkte und Dienstleistungen zu vermarkten? Algorithmen und Roboter täten es doch auch. Der Mensch vertraut aber am liebsten anderen Menschen und am ehesten Menschen, die er kennt und die vielleicht sogar ähnlich denken wie er. Ob sich Künstliche Intelligenz irgendwann so in Individuen hineinversetzen kann, dass man von wirklicher Empathie sprechen kann, bezweifle ich bzw. graut es mir davor.

0 comments on “Auch in Zukunft werden keine Robo-Texter für uns schreibenAdd yours →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.